Anfangs September hatten wir (David Graf, Jacophine Singh und ich) die Gelegenheit, selber mit zwei Cessnas C172 nach Arnhemland zu fliegen und unser zukünftiges Einsatzgebiet zu entdecken. Es war unglaublich! Wiedereinmal staune ich über die Grösse dieses Landes. Einzelne Häuser, verteilt über mehrere hundert km. Und dazwischen ein, zwei Dörfer mit maximal 3000 Einwohner. Wunderbare Landformationen, Einöden, Sandbänke, Flüsse.
Je näher wir Arnhemland (im Norden von Australien) gekommen sind, desto dürftiger die Zivilisation. Die letzten drei Flugstunden flogen wir über weitgehend unbewohntem Gebiet, unterbrochen durch den einen oder anderen Dirtstrip (unbefestigte Rollbahn) mit einer kleinem Dorfkern von Indigeneous People.
Ja, der Luftweg ist definitiv der einzig sinnvolle Transportweg. Sei dies für Nahrungsmittel, Distance Education (Schule per Post und Internet) oder für dringend benötigte medizinische Hilfe (Durchschnittsalter liegt dort bei ungefähr 50 Jahren).

Nach der Ankunft in Gove, dem Airport für Nhulumbuy, die einzig grössere Stadt in Arnhemland, flog ich mit dem Schweizer MAF-Pilot Raphael Flach nach Milingimbi. Ein richtiger MAF-Pilot! Es war komisch für mich. Nach fast anderthalb Jahren fliege ich mit einem MAF-Flugzeug im Einsatz. Zwar noch nicht selber, aber in 8 Monaten wird es soweit sein! Das Ziel ist so nah wie nie zuvor.

Milingimbi ist eine Aboriginal Community, etwa 1.5h Flugstunden von Gove entfernt. Und sehr abgelegen. Ursprünglich ein Missionsdorf, die damaligen Missionare sind aber vor ein paar Jahren abgezogen worden. MAF ist im Moment die einzige, akzeptierte christliche Organisation in diesem Dorf und mit einer Pilotenfamilie und einem weiteren Piloten vertreten. Es ist unglaublich wichtig, eine solche Aussenstation betreiben zu können!

Es war eindrücklich, denn die eigentliche Flugzeit der Piloten ist im Vergleich zu den anderen Arbeiten, die es auch noch zu erledigen gilt, verhältnismässig klein. Neben dem Fliegen gilt es zu Planen, Passagierlisten zu pflegen, Wetter zu prüfen, Flugpläne einzugeben. Aber auch organisatorische Dinge sind zu erledigen: Feuerlöscher prüfen, Fuel organisieren, Filter wechseln und Abfall entsorgen. Oft tauchen Passagiere nicht rechtzeitig am Flughafen auf oder die Flüge sind nicht bezahlt. Und da macht MAF den Unterschied zu anderen Fluglinien: Es wird nachgefragt und alle möglichen Möglichkeiten ausgeschöpft, um den Leuten zu helfen und den Flug doch noch durchführen zu können.

Die Kultur der Indigeneous People zu unserer ist extrem unterschiedlich. Es gibt unzählige Beispiele, die wir als westlich orientierte Menschen und erst noch als Schweizer einfach nicht nachvollziehen können.
Sie leben im Hier und Jetzt. Es gibt für sie praktisch keine Vergangenheit und schon gar keine Zukunft. Fliegen sie beispielsweise für ein Funeral (Beerdingung) zu einem anderen Dorf, ist das quasi ein Oneway-Ticket. Sie nehmen hierfür alle Habseligkeiten mit, die sie besitzen. Was zurückgelassen wird, wird durch die anderen zurückgebliebenen Dorfmitbewohner  weiterverwendet. Ob sie jemals zurückkommen, weiss niemand, wissen sie nicht mal selber…
Es erklärt auch, weshalb der Umweltgedanke und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen praktisch inexistent ist. Man nimmt, was man kriegt. Dafür wird aber auch vieles geteilt und weiterverschenkt, so auch das Mobile Phone. Bei einer Telefonnummer kann es also durchaus sein, dass schon morgen eine komplett andere Person den Anruf entgegen nimmt.
Beziehungen und Verwandtschaften sind unglaublich wichtig. Das zeigt sich darin, dass je nach Verhältnis zueinander, zwei Passagiere nicht miteinander reden oder sich im schlimmsten Fall nicht mal anschauen dürfen. Dies erschwert das Platzieren der Passagiere im Flugzeug enorm. Eine wichtige und oft gestellte Frage ist daher: „Darfst Du neben ihm/ihr sitzen?“
In nur 2 Tagen hat mir Aaron Rigg, einer der zwei Piloten in Milingimbi soviele spannende, teils auch verstörende Geschichten erzählt (und eigene erlebt), dass es hier den Rahmen sprengen würde, alle aufzuschreiben…

Auf dem Rückflug nach Mareeba sind wir unter anderem in „Hells Gate“ zwischengelandet. Für eine christliche Organisation vielleicht nicht gerade „the place to be“ ;-), aber er heisst nuneinmal so.
Ein Dirtstrip im Nirgendwo, mit weiss bemalten Reifen als Runwaymarker, an der Verbindungsstrasse zwischen Borroloola und Domadgee. Alles(!)  was es dort gibt ist ein Restaurant. Das nächste Benzin gibt es von dort erst nach 320km wieder.
Nach einer wunderschönen Landung im laminaren Crosswind von Karumba genossen wir die Abendstimmung, um am nächsten Tag das letzte Stück nach Mareeba zu fliegen.

Ich bin begeistert und wir freuen uns auf die Zukunft. Es gibt soviel zu tun!!!
Wir haben uns als Familie definitiv nicht umsonst auf den Weg gemacht und gehen den Weg weiter. Dank und mit Gottes Hilfe.