Eine Beechcraft Travelair für das weitere Training.

Durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren kann ich den letzten Teil der Ausbildung (Instrumentenflug) auf einem zweimotorigen Flugzeug absolvieren. Das macht natürlich besonders Spass: das Fliegen wird zusätzlich zu den Instrumentenflugregeln noch einmal ein bisschen anspruchsvoller.
Wie ist man froh, wenn ein Motor aussteigt, noch einen anderen zu haben. Ganz besonders „in the middle of nowhere“.

Aber ich beginne wohl am besten von vorne:

Da das Flight Training Center in Mareeba keine mehrmotorigen Flugzeuge besitzt, konnte MAF von Melbourne (Déja-vue?) eine Beechcraft Travelair mieten. Es ist zwar ein altes Flugzeug (man spricht eigentlich schon von Oldtimer), aber die vielen manuellen Knöpfe und Hebel machen Freude. Sehr vieles wird noch ganz wie früher von Hand erledigt.

Die Frage war natürlich, wer fliegt dieses Flugzeug von Melbourne nach Mareeba (ca. 2600km, eine Strecke vergleichbar von Mitte Türkei nach Bern) ?
Sie war schnell beantwortet: Wir Studenten sollen das Flugzeug fliegen lernen und so den Rückflug sinnvoll nutzen. Zusammen mit einem Instruktor (Joe Knighton) haben wir also am 17. Januar in Melbourne Moorabbin das Flugzeug gefasst und sind nach Griffith geflogen.

Zwischen Griffith und Walgett: Gewitter umfliegen…

Nach einer erholsamen Nacht fanden wir am Morgen heraus, dass der Flughafen der nächsten Etappe gerade nicht benutzt werden kann: Pistenerneuerung. So mussten wir unser Hotel in Bourke umbuchen und flogen in zwei Etappen nach Walgett.
Am nächsten Morgen startete ich in Walgett, übte einige Circuits in St. George, einem Flughafen auf dem Weg nach Roma, sowie Stalls unterwegs (Strömungsabriss). Nach einer „sidefiine“ Landung in Roma mit einem simulierten Engine-Failure (Motorenstillstand), tankten wir den Flieger wieder auf.
Die Hitze an diesem Tag war unerträglich: 46°C auf dem Flugfeld!
Als ich die Motoren starten wollte, um zum Parking zu rollen, gab es nur ein eintöniges Geräusch. Und anstatt sich zu drehen, stand der Propeller des rechten Motors einfach still.

Reparatur des rechten Starters in Roma

Glücklicherweise war gerade ein Flugzeugmechaniker einer anderen Fluggesellschaft vor Ort (was an diesem Flughafen Zufall war) und konnte das Problem diagnostizieren: Der Starter (Anlasser) war kaputt. Nun gut. Es blieb uns nichts anderes übrig, als uns in Roma ein Motel zu suchen und auszuharren, bis per Luftpost das Ersatzteil eintraf. Der Flugzeug-Mech konnte zwei Tage später den Starter einbauen. Es war sehr interessant: Beim alten Starter ist ein Bolzen herausgesprungen und fiel einfach entzwei. Tja, kein Wunder hat er nicht mehr funktioniert.

Jedenfalls machten wir uns gegen Mittag des 4. Tages glücklich und mit Heimweh wieder auf die Reise. Wir haben in der Zwischenzeit tüchtig geplant und uns die Route und das Training so zurechtgelegt, dass wir es in einem Tag zurück nach Mareeba schaffen können.
In Emerald dann der nächste Tankstop mit Verzögerung: Die Tankstelle hat nicht funktioniert, es musste erst der Betreiber eine Sicherung ersetzen. Aber alles noch im Plan.
Ich flog das nächste Leg nach Charters Towers. In diesem Flug wollte Joe einen Motor komplett abstellen: Dies gehöre zum Training, denn das Flugzeug verhalte sich einfach anders als mit einem nur simulierten Enginefailure.
Also: Joe hat das Benzin abgestellt (Mixture–> Cutoff) und ich musste richtig reagieren:
Mit dem Ruder die Richtung beibehalten, Power up, Gear up, Flaps up, „kaputten“ Motor identifizieren, mit Throttle („Gaspedal“) bestätigen und den Propeller feathern. Das heisst, man stellt die Propellerblätter in den Wind, so dass sie praktisch keinen Luftwiderstand erzeugen.
Damit wird das Flugzeug wieder ziemlich gut steuerbar und fliegt zwar langsamer, aber sonst prima weiter.

Da lief noch alles nach Plan… auch wenn es nicht so aussieht: ausgeschaltetes Triebwerk

Okay, also dann, Checkliste hervornehmen und Motor wieder starten.
Hat dann leider nicht mehr funktioniert… Erstmal hat der Unfeather-Akkumulator versagt: Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass der Propeller sich wieder in den Wind stellt und von selber durch die Windkraft zu drehen beginnt. Beim Auto würden wir von „anstossen“ reden. Ist aber noch nicht weiter schlimm. Wir mussten den Motor dann einfach mit dem Starter starten. Die Motoren auf diesem Flugzeug sind aber ziemliche Divas, wenn es um einen Warmstart geht. Falls das Benzingemisch nicht exakt im richtigen Verhältnis ist, kriegt man ihn praktisch nicht mehr zum laufen. Und so versuchten wir es mehrmals in verschiedenen Konfigurationen, aber der Motor sprang einfach nicht mehr an.

Habe ich schon erwähnt, dass es an diesen Tagen sehr heiss (34°C auf 3000ft) war? Heisse Luft = Dünne Luft. Und so hatten wir Mühe, die für den Zielflughafen notwendige Flughöhe von 3000 Fuss mit genügend Leistungsreserven zu halten. Kommt hinzu, dass die Motoren von diesem Flugzeug insgesamt ein wenig zu schwach ausgelegt sind…
So entschlossen wir uns, einen Ausweichflugplatz anzufliegen und das Problem anzugehen. Wie froh war ich, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben!

Am Boden war das Problem schnell identifiziert, schliesslich kannten wir die Symptome: Der Startermotor des linken Triebwerks ist wahrscheinlich durch das häufige Betätigen ausgebrannt. Ja, natürlich haben wir mehrmals probiert… Wir haben aber dem Starter auch immer wieder Zeit gegeben, sich im Fahrtwind abzukühlen. Wahrscheinlich nicht genug. Andererseits war auch er schon (sehr) alt…

Jedenfalls haben wir das Wochenende dann in Clermont mit Warten, Spielen und dem Besuch eines doch eher konservativen Gottesdienstes verbracht.
Am Dienstag (Tag 7) flog schlussendlich ein MAF-Mechaniker mit einem Ersatzteil von Mareeba nach Clermont und baute es noch vor Ort ein.

Über, zwischen und in den Wolken… Die Schönheit des Instrumentenflugs.

Das letzte Leg war dann auch das Schönste: Wir flogen nach Instrumentenflugregeln durch die Wolken. Herrlich! Und der Anflug auf Mareeba war nach dieser abenteuerlichen Reise einfach ein Traum!

Was ich gelernt habe?
Es gibt unglaublich hilfsbereite Menschen. Es tut so gut wenn Leute selbstlos helfen, sobald jemand in der Patsche steckt.
Gerne will ich mir eine Scheibe von dieser Hilfsbereitschaft abschneiden und Augen und Ohren für Leute in Not offenhalten. Es kostet mich in der Regel nur wenig, dem Anderen aber hilft es unglaublich weiter, auch wenn es manchmal „nur“ ein gutes, aufbauendes Gespräch ist. Hilfsbereitschaft vermittelt Hoffnung.
In diesem Sinne hoffe ich doch, dem einen oder anderen Menschen in Not über den Weg zu laufen.