Die letzten vier Wochen waren fliegerisch besonders spannend: Bevor Piloten operationell in der MAF fliegen können, müssen sie den Standardisierungskurs absolvieren. In diesem Kurs lernen sie die Sicherheitsstandards, Reaktionen auf Emergencies (Notfälle) oder auch, die zu einem Flug dazugehörigen Formulare auszufüllen. Operationelles Fliegen ist einfach anders als nur das Reagieren auf Notfälle…
Zudem habe ich auf ein grösseres Flugzeug wechseln können, yes!!!

So spannend können diese simulierten Trainingsflüge sein:

Search & Rescue Mission

Am Morgen früh, gerade nach der Andacht wurde MAF Mareeba angerufen, weil sich einige Kinder von einem Wochenend-Lager im Outback an einer Flussbiegung im St. George River nicht mehr wie vereinbart gemeldet haben. Man beschloss, dass ich mit einem Flugzeug die Gegend abfliege und die Kinder suche. Zwei Personen sollen mitkommen, um Ausschau halten zu können.

Für mich hiess das, so schnell als möglich den Flug planen: Richtung, Distanz, Heading und genügend Benzin. Beim Benzin gilt dabei immer abzuwägen, ob eher die verfügbare Flugdauer oder die Möglichkeit, weitere Ladung aufzunehmen, wichtiger ist.
Zuviel Benzin ist nicht immer gut: Das Flugzeug wird dann plötzlich zu schwer, wenn ggf. noch jemand zusätzlich unplanmässig mitfliegen möchte/will/muss.

Ich entschied mich, möglichst lange in der Luft bleiben zu können. Trotz vollem Tank habe ich nämlich noch genügend Ladekapazität für weitere Personen. Nach einer kurzen Vorbereitungsphase waren wir dann „Ready for Departure“.

Australisches Outback…

Der 20 minütige Flug bis zur Flussbiegung verlief grösstenteils unspektakulär. Das australische Outback ist (als Schweizer betrachtet) sehr unbewohnt: einige Bäche/Flüsse, einige Hügel, jedoch grösstenteils nur Bäume und trockenes Gras, was die Orientierung nicht unbedingt einfacher macht.
Etwa 2 Minuten vor der Flussbiegung begann ich den Sinkflug, um beim Zielgebiet bereits die geeignete Flughöhe zu haben. Dort flog ich ein definiertes Muster, damit rasch und systematisch ein grosses Gebiet abgesucht werden kann.

Die Flussbiegung, unser Suchgebiet

Nachdem wir weder ein Lager, noch die Kinder finden konnten (natürlich, war ja auch nur simuliert…), wurden wir von der MAF-Base angefunkt: Die Kinder hätten sich mittlerweile gemeldet. Sie hätten zuwenig Wasser mitgenommen und seien zum nächsten Flugfeld (Dimbullah) gewandert. Zwei Kinder seien unterdessen so stark dehydriert, dass sie medizinische Hilfe nötig haben und von dort daher möglichst rasch nach Mareeba evakuiert werden sollen.
Ob ich dies machen könne, war die Frage.
„Standby“, war meine Antwort.
Also los, alle Berechnungen nochmals durchführen: Richtung, Distanz nach Dimbulah planen, Landegewicht überprüfen, reicht das Benzin, ist die Piste geeignet und habe ich genügend Ladekapazität, zwei zusätzliche Kinder mitzunehmen? Diesmal anstatt gemütlich am Bürotisch, musste ich dies nun während dem Flug machen. Nicht ganz einfach, dabei gleichzeitig noch die Höhe, Richtung und Fluglage in Turbulenzen halten zu können.
„Ja, ich kann den Zusatzauftrag annehmen“, funkte ich schliesslich zurück.

Im Anflug zur Runway – Inspection in Dimbulah

Und so machte ich mich auf den Weg. Unterwegs noch schnell die MAF-Base über die Ankunftszeiten informieren, damit sie bereits die Ambulanz organisieren können.
In Dimbulah angekommen, musste ich erst eine Runway-Inspection durchführen. Bei Kiespisten kann es durchaus sein, dass innerhalb von zwei/drei Tagen Termitenhügel wachsen. Auch wenn sie dann erst bis zu 15cm hoch sind, sie sind steinhart und können bei der Landung/Start das Fahrwerk zerstören.
Also Anflug planen, dann mit ca. 80kt (ca. 140km/h) knapp über die Piste fliegen und dabei die Pistenoberfläche prüfen. Am Ende der Piste Go-around (Durchstarten) und zum finalen Anflug übergehen: Die Piste ist ok.
Da wir ja auf einem Trainingsflug sind, ist mir kurz nach dem Go-around noch der Motor ausgefallen (der wahrscheinlich ungeeignetste Moment für einen Engine failure, vielen Dank an den Instruktor… 😉 ). Also schnellstmöglich reagieren: Gleitflug einnehmen und da ich genügend Höhe hatte, konnte ich eindrehen, um auf die Piste in Gegenrichtung zurückzukommen, dann Ursache suchen, MAYDAY funken, Landung einteilen. Glücklicherweise habe ich die Ursache finden können (;-) ), diesmal wars ein verstopfter Luftfilter: Mit einer vom Cockpit steuerbaren Klappe konnte ich den Luftfilter überbrücken. Trotzdem hatte ich nicht mehr die volle Motorenleistung zur Verfügung und musste so das Flugzeug sicher landen.

Der Rückflug verlief dann ohne weitere gravierende „Zwischenfälle“. Einzig kurz vor der Landung gabs noch einen „Knall“ und hatte plötzlich keine Landeklappen mehr zur Verfügung… Kein Problem: Die Piste in Mareeba ist genügend lang und die Anfluggeschwindigkeiten mussten geringfügig angepasst werden.

Standardization, Abschlussfoto. (v.l. Mark Hagenssen, Piet Muilvijk, Simon Wunderli (Instruktor), Simon Heusler, David Graf, Andrew Jenkins (Instruktor) )

Ja, so lief das in der Standardisierung. Wirklich spannend. Schade ist, dass sie bereits vorbei ist… Aber nun bin ich definitiv MAF-Pilot! Am Ziel der letzten zwei Jahre angekommen und bereits wieder am Start für das nächste Abenteuer! Jetzt beginnt es erst richtig!

Das neue Flugzeug: Eine GippsAero GA8, ein fantastisches Flugzeug!