Endlich!

Nach ziemlich exakt 3 Jahren Vorbereitungszeit, Training und Warten auf Visa habe ich am 20. Oktober die zwei ersten Passagiere befördert: Sie flogen mit allem benötigten Material von Nhulunbuy nach GanGan, ein kleiner Airstrip mitten in Arnhemland. Es waren zwei Arbeiter: Einer war Mechaniker und musste ein Lastwagen reparieren, der andere war Sanitär und reparierte wahrscheinlich eine

GanGan Airstrip

Wasserleitung. Nach getaner Arbeit und zwei Stunden später flog ich sie wieder zurück nach Nhulunbuy. Hätten die zwei dies per Auto machen müssen, wären sie anstatt knapp 4h, den gesamten Tag unterwegs gewesen. Von Nhulunbuy nach GanGan sind es etwa 250km Schotterpiste, was ungefähr 5h Fahrt bedeutet. Und dann das ganze wieder zurück… Momentan ist das Wetter noch gut, aber die Regensaison ist nicht mehr weit entfernt. Dann wird dieser Weg nicht mehr passierbar sein, mindestens zeitweise.

Noch begleitet mich jeweils ein erfahrener Pilot. Die Bedingungen sind zwar im Moment fliegerisch nicht besonders schwierig (Trockenzeit), die Anforderungen an einen kommerziellen Piloten sind aber deutlich höher als beim gemütlichen Ausflug als Privatpilot. Da ist einerseits das Paperwork, welches ausgefüllt werden muss, andererseits der Druck, die Passagiere an ihre Wunschdestination zur richtigen Zeit transportieren zu können (und sie dabei nicht zu lange im Flugzeug schwitzen zu lassen). Es bleibt in der Regel wenig Zeit, das Flugzeug frühmorgens zu checken, die wichtige und v.a. notwendige Flugplanung zu machen, die Passagiere und deren Gepäck einzuladen. Bei der MAF geht Sicherheit aber immer vor, was ich sehr schätze!
Trotz allem Zeitdruck, manchmal muss man warten und hat Gelegenheit, mit den Leuten in den Communities in Kontakt zu kommen…

Seit meinem ersten Flug habe ich nun rund 21h in der Luft verbracht und gesamthaft 36 Passagiere befördert.

Dazu einige Geschichten:

  • Nach der Landung in Bremner Island (ein kurzer und schmaler Strip mit einer leichten Steigung, Anflug über Wasser) wurde der Passagier in der Schubkarre zum Flugzeug geschoben. Er hatte sich eine Verletzung am Bein zugezogen und konnte nicht mehr darauf stehen.
    Beim Beladen von den Flugzeugen muss immer die Gewichtsverteilung exakt berücksichtigt werden. Somit wurde die Sache mit der Waage (um sein Gewicht zu erfassen) zu einem Experiment ;-). Dank dem Flugzeug war er aber in 30min beim Spital (anstelle von Schiff und Auto ca. 3h one way).
  • Spontanität ist hier ziemlich weit verbreitet. Wir sind gelandet, um zwei Passagiere mitzunehmen. Dann wurden wir gefragt, ob wir noch mehr Platz hätten und wir antworteten mit „Ja“. Die eine Frau lief dann zurück an den Dorfrand und rief sehr lautstark (!) etwas in ihrer Sprache ins Dorf. Ich hätte dies dieser zierlichen Frau gar nicht zugetraut ;-). Nach etwa 10 Minuten traf dann der zusätzliche Passagier mit Matte und Decke beim Flugzeug ein.
  • Die Kultur der Yolgnu (der hier ansässigen Aboriginal People) ist im Gegensatz zu unserer westlichen Kultur nicht von Recht/Unrecht, sondern v.a. von Scham/Ehre geprägt. Ein unbegründetes „Nein“ ist daher üblicherweise nicht angebracht. Es braucht immer eine Begründung, weshalb man etwas verneint. Für uns ist das schwer zu verstehen, da es aber ihre Kultur ist, ist das ohne Kommentar zu akzeptieren. Auch wir Schweizer haben ja so unsere „komischen“ und für andere Kulturen unerklärlichen Eigenarten…
    Ein Passagier wollte also nicht an die Versammlung, an die er eigentlich hätte gehen sollen (weshalb auch immer) und so hat er uns gesagt, dass seine Kleider gerade in der Wäsche seien und er daher nicht mitfliegen könne.