Es ist viel passiert im letzten Monat!

Nach fast einem Jahr Vorbereitung auf das Leben in der Abgeschiedenheit von Ramingining haben wir kurzfristig erfahren, dass wir nun doch in Nhulunbuy bleiben werden. Der Grund ist, dass die Wet-Season in Kürze beginnt und daher frische Piloten besser von der Basis aus fliegen. Damit ist gewährleistet, dass bei schwieriger Wettersituation die Meinungen von erfahreren Piloten relativ einfach eingeholt werden kann.
Das macht sogar sehr Sinn. Dennoch, für uns als Familie war es nicht ganz so easy: eine ziemliche Umstellung, insbesondere da wir uns bereits psychisch und v.a. auch organisatorisch (Schule für die Kinder) auf diesen nicht gerade einfachen Wohnort vorbereitet hatten.

Nun denn. Auch hier in Nhulunbuy können wir uns investieren. Es ist unglaublich, dass wir uns hier zwar in Australien befinden, aber dennoch eine solch unglaubliche Hoffnungslosigkeit vorfinden. Es gibt unzählige Geschichten, die von Missverständnissen, kulturellen Unterschieden und Geldgier geprägt sind.

Ein harmloser Regenschauer…

Bisher durfte ich nur unter Begleitung mit einem Supervisory-Pilot Passagiere befördern. Erstens stellt das Fliegen in Arnhemland an den Piloten spezielle Anforderungen: Einige Routen sind stark frequentiert, entsprechend ist es essentiell die Flugzeuge per Funk in sicherem Abstand voneinander zu halten. Im Gegensatz zur Schweiz gibt es hier keine Flugverkehrsleitung und so bleibt diese Aufgabe bei den einzelnen Piloten, welche sich untereinander absprechen müssen.
Zweitens gilt es neben dem Fliegen auch noch einige Stapel Papier auszufüllen: Passagierlisten, Gewichte und Gepäckstücke, Abflug/Landegewichte berechnen etc. Und dies möglichst rasch und exakt: Die Passagiere wollen ja schliesslich nicht ewig auf den Takeoff warten…
Drittens ist da noch das Wetter, ganz speziell hinsichtlich der kommenden Wet-Season: Das ist nicht zu unterschätzen. Fliegen mit 500ft (ca. 150m) über Boden, ohne visuelle Referenzen (alles ist flach und grün bewaldet), da wird die Orientierung zu einer Challenge. Zum Glück gibt es GPS, auch wenn man sich unter VFR nicht darauf verlassen darf.
Fragen wie „Wieviel Benzin reicht heute?“, „Wo könnte ich landen und besseres Wetter abwarten?“ und „Wieviel Reserve habe ich noch?“ werden dann den Tagesablauf bestimmen. Während einigen Flügen habe ich dieses Wetter schon erfahren dürfen, einmal sogar sind wir wieder zum Startflugplatz zurückgekehrt, weil wir aufgrund einer grossflächigen Regenzelle mit schlechter Sicht und tiefen Wolken nicht weiterfliegen konnten.

Am 05. Dezember fand dann der Linecheck statt. Endlich! Und ich habe ihn bestanden!

Linecheck bestanden!

Von nun an darf ich alleine Passagiere herumfliegen. Ein herrliches Gefühl. Nach praktisch exakt 3 Jahren und 2 Monaten seit der Entscheidung, diesen Weg zu gehen.
Beim ersten Soloflug war ich dann aber auch entsprechend gestresst… Drei Richter/Anwälte und einen Polizisten von Nhulunbuy nach Elcho Island. Als wir am Abend dann wieder in Nhulunbuy gelandet sind, habe ich mich ihnen offenbart: Ja, sie hätten es sich schon gedacht, ich sei sehr nervös gewesen ;-)…
Am nächsten Tag konnte ich das ganze dann aber schon viel gelassener angehen. Ich flog zwei Ärzte von Nhulunbuy nach Bremer Island. Die Herausforderung dabei war einerseits ihre tausend Boxen und Taschen (es hilft, wenn man in Tetris 25000 Punkte schafft 😉 ), andererseits die kurze und geneigte Piste in Bremer Island (760m). Das Flugzeug schafft den Takeoff beim maximalen Abfluggewicht daher nur bei max. 30°C Lufttemperatur und Downhill. Ist es wärmer oder muss aufgrund der Windverhältnisse sogar hogeruf gestartet werden, muss ich das Takeoff-Gewicht ensprechend reduzieren. Schlimmstenfalls muss man den Passagieren dann schonend mitteilen, dass sie wohl einige ihrer Gepäckstücke zurücklassen müssen. Nicht immer ganz einfach!

Spannend war dann auch die Statistik der letzten drei Monate:

Flüge der letzten drei Monate…

73 Flugstunden, 178 beförderte Passagiere und praktisch ganz Nordost-Arnhemland (mit Schweiz zum Grössenvergleich) beflogen…