06:00 Uhr

Der Wecker klingelt. Zeit zum Aufstehen…
Anziehen und Sandwiches machen fürs Mittagessen. Da ich nie so genau weiss, wo ich essen kann, sind Sandwiches ideal. Natürlich darf Vegemite, der(!) australische Brotaufstrich nicht fehlen.
Dann alle sieben Sachen packen. Diese lege ich immer schon am Vorabend auf den Tisch, so dass, falls alles gepackt ist, der Tisch leer ist. So vergesse ich nur sehr selten etwas. Am Morgen funktioniert das Hirn manchmal noch nicht so richtig ;-).

 

07:00 Uhr

Derjenige, der den MAF-Bus am Vorabend mit nach Hause genommen hat, sammelt alle MAF-Mitarbeiter am Morgen wieder ein und fährt sie zum Flughafen. Oft eine lustige Diskussion, wer jetzt wo noch abgeholt werden muss oder eben doch nicht… Aber irgendwie schaffen wir es zusammen meistens doch, dass niemand vergessen geht.
Am Flughafen Gove findet als erstes die Devotion (Andacht) statt. Abwechslungsweise tauschen wir uns über Erlebnisse und Erkenntnisse über Gott aus und beten für den Tag. Spannend. Da wir eine aus der ganzen Welt zusammengewürfelte Truppe sind, gibt das teilweise ganz neue Einblicke in die Bibel und auf Gott.

 

07:45 Uhr

Nun geht es so richtig los. Heute flieg ich das Flugzeug mit dem Kennzeichen VH-BPL. Eines meiner Lieblingsflugzeuge. Auch wenn alle Flugzeuge eigentlich gleich sind, gibt es einfach feine, kleine Unterschiede. Der Motor von BPL lässt sich vergleichbar leicht starten und es besitzt ein Aspen EFD1000 als digitalen künstlichen Horizont, Geschwindigkeit und Höhenanzeige, sowie der Richtungsanzeige. Und natürlich einigen zusätzlichen Informationen, die mir das Fliegen erleichtern. Die erste Aufgabe am Morgen ist jeweils, das Flugzeug auf mögliche Fehler durchzuchecken, Benzin- und Ölstand zu kontrollieren, Scheiben zu putzen und die Sitze für die Passagiere vorzubereiten. Da es bereits 30°C warm ist, eine schweisstreibende Tätigkeit.

 

08:20 Uhr

Flugplanung für den Flug nach Baniyala. Wetterstudium für den Tag. Es sieht gar nicht so schlecht aus. Wie üblich ein paar Gewitter und nur 1-5mm Regen in der Vorhersage; ein entspannter Tag also. Oder doch nicht?
Jedenfalls nehme ich genügend Benzin mit, um insgesamt fast 1.5h auf besseres Wetter in der Luft ausharren zu können. Ein gutes Verhältnis zwischen Sicherheit und immer noch genügend Gewichtsreserven für die Passagiere und deren Gepäck.

 

08:30 Uhr

Meine ersten Passagiere treffen ein: Zwei Ärzte, welche nach Baniyala fliegen, um die erkrankten Einwohner in diesem Homeland zu untersuchen. Mit dabei einen ganzen Trolley mit Kisten, Boxen, Taschen. Die grosse Frage: Passt das wohl alles in das Flugzeug? Ich muss diesesmal jedenfalls zweimal probieren, damit alles passt. Dabei gilt es auch zu beachten, dass die Gewichtsverteilung stimmt. Da wir Regensaison haben, fragen sie mich, wie hoch wohl die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie aufgrund schlechtem Wetter im Homeland übernachten müssen. Ich anworte, heute scheine ein ziemlich trockener Tag zu werden…

 

10:30 Uhr

Der Flug nach Baniyala und zurück nach Gove ist wunderschön. Ich liebe diese morgendlichen Flüge. Die Luft ist frisch und klar, die Wolken (noch) weiss und das Meer herrlich türkisblau. Die Farben und Formen von hier oben betrachtet sind einfach unglaublich. Was für eine Schöpfung! Ja, es ist ein Privileg für Gott in diesem Beruf arbeiten zu können!

 

 

11:30 Uhr

Der nächste Flug würde von Gove nach Mirrinatja, dann weiter nach Balma und zurück nach Gove führen. Aufgrund der Wettersituation (Gewitter und deren Zugrichtung) sowie der zusätzlichen Möglichkeiten für Benzin zwischen Mirrinatja und Gove, entscheide ich mich für den umgekehrten Weg. Jonathan, mein Passagier, ist (glücklicherweise) damit auch einverstanden.
Er versorgt die zwei einsamen Homelands mit Benzin und Diesel für die Generatoren und so habe ich gerade besonders viele Formulare auszufüllen, da dies „gefährliche Güter“ sind und daher nur unter besonderen Vorkehrungen mit dem Flugzeug transportiert werden dürfen.

 

12:15 Uhr

Schon kurz nach dem Takeoff wird mir klar, dass sich das Wetter seit dem Morgen deutlich verschlechtert hat. 2000 Fuss Höhe (ca. 650m) ist das Maximum. Und ich muss bereits zwischen den Regenschauern durch kurven.

 

 

 

 

13:06 Uhr

In Balma angekommen, beginnt das grosse Umschütten von Benzin und Diesel. Die Erleichterung in den Augen der Bewohner ist ihnen anzusehen. Ein kurzes Gespräch mit dem Dorfältesten über den Zustand der Piste („sie sei gut gepflegt“). Und er hat sich noch daran erinnern können, als ich ihn vor zwei Monaten mit einem Sack voller Schildkrötenfleisch nach Gove geflogen habe… Ein gutes Zeichen ;-)? Aufgrund der Wettersituation bin ich froh, dass es schon bald nach Mirrinatja weitergeht.

 

 

14:20 Uhr

Je näher wir Mirrinatja kommen, um so erleichterter bin ich zu sehen, dass die Piste inmitten eines Wolkenloches liegt.  Und trocken. Das macht die Entscheidung um einiges leichter. Denn die Piste ist auch sonst nicht ganz einfach: Für unser Flugzeug eher kurz (760m) und mit 2% auch die am stärksten geneigte Piste in Arnhemland. Ein Start bergauf ist darum nur mit einem sehr leichten Flugzeug zu bewältigen, insbesondere da das Terrain anschliessend hügelig ist und eine gute Steigleistung benötigt.
Da hier das Homeland ein wenig weiter von der Piste entfernt ist, bleibe ich beim Flugzeug, während Jonathan das Benzin verteilt. Zeit fürs Mittagessen und Bibbern für den Rückflug, scheinbar mitten durch die Gewitter…

 

 

15:00 Uhr

Der Rückflug ist dann doch einfacher als es von unten ausgesehen hat. Ich kann zwischen den Wolken aufsteigen und finde einige Lücken, um kurvend langsam aber stetig nach Gove zurückzukehren. Und wenn es neben einer gewaltigen Gewitterzelle mal richtig dunkel wird, hilft es manchmal, die Sonnenbrille abzunehmen. Schon nur psychologisch ;-).

 

 

15:20 Uhr

Normalerweise sitzen die Passagiere hinten. Da wir aber zusammen so lange unterwegs waren, habe ich Jonathan auf den Copiloten-Sitz platziert. Und mit einem Headset ausgerüstet, so konnte er während dem Flug den Funkverkehr zuhören und mit mir ohne weiteres reden. So habe ich ihm meine Entscheidungen im Flug über das Wetter und die anderen Flugzeuge erklären können. Er war sehr stolz und es hat ihm Spass gemacht. Wie wenig es manchmal braucht! Sein strahlendes Lachen zurück in Gove, einfach unbezahlbar. „You‘re a legendary pilot“, waren seine Worte beim Abschied. Nun, so würde ich mich nie im Leben selber einschätzen, aber dennoch hat es mich gefreut.

 

16:38 Uhr

Annähernd Feierabend.
Das Flugzeug noch für den nächsten Tag tanken, erneut Sitze richten und Abfall entsorgen. Dann den Tagesflugbericht ausfüllen, unterschreiben und versuchen, den Bus nach Hause zu noch zu erwischen.
Nach 4.3h Flugzeit bin ich jeweils ziemlich müde. Aber es war ein spannender Tag! Insbesondere der „Rundflug“ mit Jonathan wird mir in guter Erinnerung bleiben! Oh. Da muss ich doch noch erwähnen, dass die zwei Ärzte nun doch in Baniyala übernachten müssen. Das Wetter war abends zu schlecht, um sie wieder nach Hause zu fliegen. Heisst aber auch, dass die Entscheidung, die Route umzudrehen, die Richtige war.