Wie bereits mehrfach erwähnt, gibt es hier in Australien grosse soziale Unterschiede zwischen den Aboriginal People und der weissen australischen Bevölkerung. Das hauptsächlich in den Bereichen Gesundheit und Bildung (im westlichen Sinne). Anglicare setzt sich für die Gleichberechtigung der Aboriginal People ein und versucht durch verschiedene Programme diese Lücke immer mehr zu schliessen.

In Nhulunbuy gibt es drei verschiedene Teams: Money Matters (Unterstützung Finanzfragen), Family & Youth (Familienberatung und Intervention bei häuslicher Gewalt) und Age & Disability Care (Individuelle Unterstützung). Ich bin im dritten Team und arbeite als sogenannter „support worker“. Unser achtköpfiges Team betreut insgesamt zirka 40 Klienten in Nhulunbuy und den umliegenden Community Yirrkala, Wallaby und Skybeach. Meine Aufgabe ist es, unsere Klienten dort zu unterstützen, wo es gerade nötig ist. Also sehr vielfältig und flexibel! Einkaufen, Kochen, Begleitung zur Bank oder zum Arzt, eine Autofahrt um Familienmitglieder zu besuchen, zusammen Fischen und Jagen (=Honig, Muscheln und Beeren sammeln). Immer mit dabei sind Teebeutel, Zucker, Milchpulver und eine Termoskanne mit heissem Wasser, um zusammen Tee zu trinken :-).

Nun habe ich einen australischen Arbeitgeber. Das ist spannend und herausfordernd zugleich. Ich muss oder darf meinen Standard hinsichtlich exaktem, effizientem und zielorientiertem Arbeiten (schweizerisch eben…) etwas runterschrauben. Dafür erhalte ich als Arbeitnehmer sehr viel Rücksichtnahme und Verständnis für meine persönliche Situation. Familie ist wichtig und darum stimmen beispielsweise meine Arbeitszeiten mit den Schulzeiten der Kinder überein (auch wenn es andersrum manchmal praktischer und effizienter wäre). Das schätze ich! Alles in allem ist das Arbeitsklima sehr entspannt. Ein kleines Beispiel: Eine unserer Klientinnen kam letzte Woche zu uns in den sogenannten Gemeinschaftsraum und wollte während ihrer Betreuungszeit einfach einen Film schauen, da sie Zuhause keinen Fernseher hat. Ich fragte, ob ich währenddessen die Küche, welche im Gemeinschaftsraum integriert ist, aufräumen und putzen soll (äs häts nötig gha ;-)). „Nein, nein“ war die Antwort, mit der Begründung, es sei doch viel gemütlicher den Film zusammen zu schauen als alleine…:-)

Momentan muss ich vorerst den Betrieb kennenlernen und gefühlte tausend Formulare lesen, ausfüllen und unterschreiben (australisch eben…). Zudem bin ich als sogenannter „Shadow“ (=Schatten) unterwegs, das heisst, ich begleite eine meiner Teamkolleginnen auf ihrem Einsatz. Diese erklärt mir alles und ich schaue vorallem zu und lerne. Ich bemühe mich sehr, mir alle Namen zu merken, was eine echte Herausforderung ist. Meine Kollegen heissen nicht Andrea, Mirjam oder Stefan (das könnte ich mir noch merken) sondern Mandy, Hazel und Jamie. Die Klienten haben englische und aboriginal Namen (sehr verwirrlich!) und „ds Tüpfli ufem i“, unsere Autos haben auch noch Namen. So muss ich eintragen ob ich heute Ruby, Bowie oder doch lieber Max nehme um von A nach B zu fahren. Für mich tönt alles gleich und ich warte nur auf den Moment, wo ich Klienten und Arbeitskollegen mit Autonamen benenne und umgekehrt. Aber auch das hat hier wohl Platz und wird kein Problem sein :-).