Heute war ein besonderer Tag. Noch nie hatte ich soviele Begegnungen mit Willy Willies und heute haben sie auch meine Flugplanung beinflusst. Fast hätte ich bei einem Landeanflug durchstarten müssen…

Wir befinden uns wettertechnisch im Moment in der Build-up Phase. Das ist eine grossräumige Wetterlage vor der „Wet-Season“. Die Sonne scheint sehr stark, bisher gab es aber kaum Regen und so sind die Böden hauptsächlich trocken und sandig. Dadurch wärmt sich der Boden sehr stark auf und die heisse Luft steigt auf. Da dies grossflächig passiert, beginnt sich diese heisse Luft zu drehen und im Mittelpunkt der Drehung (bis zu 10m Durchmesser) werden die Winde bis zu 140km/h schnell. Das wirbelt Staub auf und ein Dust-devil, in Australischem Slang „Willy-Willy“ genannt, entsteht.
Solche Mini-Tornados (ein Tornado entsteht zwar ganz anders, beschreibt aber das Phänomen sehr gut) können bis zu 2000ft, also etwa 700m hoch werden. Als Kleinflugzeug vermeidet man die Dustdevils wann immer möglich, nicht nur wegen den Turbulenzen, sondern auch wegen dem aufgewirbelten Staub, Blättern und Ästen.

So flog ich heute gegen 1030 Uhr einen Generator nach Mapuru. Etwa 5 min nach der Landung entstand am Pistenende ein respektabler WillyWilly, es reichte mir gerade noch die letzte Minute mit dem Smartphone zu filmen.
Für Flugzeuge ist dieser Ort besonders gefährlich, da im letzten Stück der Landung das Flugzeug verhältnismässig langsam fliegt und sich zwangsläufig nah am Boden befindet.

Kurz nach Mittag, als die Sonne besonders stark war, flog ich einen Ranger von Lake Evella nach Balma. Balma ist insofern speziell, weil es sich am Rande von grossen Mudflads befindet. Als Mudflads bezeichnet man grosse, unbewachsene sumpfige Stellen. Da die Wetseason noch nicht begonnen hat, sind diese mehrheitlich ausgetrocknet und bilden helle Flächen, über denen sich die Luft ausserordentlich gut aufheizen kann. Ein perfekter Geburtsort für Dustdevils.
Im Anflug auf Balma habe ich selber 3 Dustdevils gesehen, mein Passagier zeigte auf weitere zwei. So versuchte ich, diesen möglichst nicht zu nahe zu kommen.
Im Final (also im Landeanflug auf die Piste) sah ich dann, dass sich gerade ein Dustdevil über die Piste bewegte. Schon plante ich mein Durchstartmanöver, denn ein Go-around über die Pisteachse war diesmal keine Option. Glücklicherweise verzog sich der WillyWilly dann ziemlich schnell und als ich zu meinem für den Go-Around gesetzten Entscheidungspunkt kam, war der ganze Spuk vorüber. So konnte ich normal landen.

Nach der Landung hatte ich dann nochmals die Gelegenheit, einen Willy Willy zu filmen. Leider ein bisschen weiter weg, dafür war derjenige sehr hoch.

Es war ein spannender Tag. Gegen Abend dann noch ein Flug nach Nynykay. Die Piste liegt direkt an der Küste. Ich hatte schon des öfteren Bilder von dieser Piste gepostet, jedoch meistens von oben. Diesmal hatte ich Gelegenheit, die Piste in der Abendsonne zu fotografieren. Ja, sie liegt wirklich direkt an der Küste ;-). Eindrücklich.

Piste in Nyinyikay. Hineinzoomen lohnt sich.

Flughafen-Terminal in Nyinyikay