„How lucky I am to have something that makes saying goodbye so hard.“
Winnie the Pooh

Bereits schreibe ich das letzte mal von meinem Arbeitsalltag bei Anglicare. Das Abschied nehmen fällt mir sehr schwer! Ich habe hier ein tolles Team und die Arbeit mit den Yolngu gefällt mir ausserordentlich gut. Ja ich wage sogar zu behaupten, dass mir noch keine Arbeit so viel Freude gemacht hat, wie diese hier. Ich bin Gott sehr dankbar für die Möglichkeit, die er mir geschenkt hat.

Fischen, Pandanus Blätter sammeln, Tee trinken im Schatten eines Baumes, Op-Shop, Centerlink, Bank und Woolies Besuche, Ladies Group, Autofahrten durch den Busch ohne jeglichen Verkehr oder die Suche nach Klienten („yapa other side“ oder “ yapa green house“, so die Anweisungen der Yolngu), all das wird mir fehlen!

Ich habe mich an die rot-staubig-holprigen Strassen gewöhnt, daran, den Tee mit Milchpulver zuzubereiten oder daran, dass meine Klienten verschiedene Namen und Geburtsdaten gleichzeitig haben, was mit der australischen Bürokratie im Konflikt steht.
Mittlerweile weiss ich, dass ich den Namen einer verstorbenen Person für eine gewisse Zeit nicht mehr sagen darf und dass es Arbeiten gibt, die nur von Männern oder Frauen ausgeführt werden. Zum Beispiel ist Speer Fischen, wo man bis zur Hüfte im Wasser steht, Männersache. Phuu, Glück gehabt:-)!
Ich habe gelernt, dass die Yolngu im Hier und Jetzt leben und planen schwierig, wenn nicht fast unmöglich ist. Das Leben ist bescheiden, unaufgeregt, echt. Sie lernen von der Natur, ihr Land ist ihre Bibliothek. Wie für uns auch, ist ihre Sprache und Kultur Teil ihrer Identität. Sie leben in grossen Clans und passen so offensichtlich nicht in ein 4 Zimmer Haus, welches von der Regierung zur Verfügung gestellt wird. Überfüllte Häuser sind ein grosses Problem und führen zu gesundheitlichen und sozialen Problemen.
Zahltag ist jede zweite Woche und der Pin der Bankkarte ist meistens 1234. Die zwei existierenden Taxiunternehmen in Nhulunbuy geschäften mit unfairen Mitteln und wissen wohl genau, dass die Yolngu erstens nicht zur Polizei gehen werden und zweitens auf ihren Taxidienst angewiesen sind, weil ihr Mutika (Auto) immer wieder kaputt geht (es ist mir auch ein Rätsel wieso…).

Durch Anglicare hatte ich die Möglichkeit, Hausbesuche machen zu dürfen. Mir wurde ein Blick „hinter die Kulissen“ gewährt und ich hatte das grosse Privileg, am Leben meiner Klienten teilzuhaben.
Ich weiss, dass Anglicare für viele ein sicherer Ort ist, wo sie respektiert und ihre Anliegen ernst genommen werden. Es war toll, dort mitzuarbeiten!

An meinem letzten Arbeitstag wurde ich reich beschenkt! Nicht in materieller Hinsicht, aber meine Klienten haben für mich ein BBQ organisiert. Wie immer passierte alles wunderbar spontan und es hat mich berührt, haben die Klienten selbst dafür die Initiative ergriffen, was doch eher selten vorkommt…:-)

Und so bleibt mir, mich ein letztes mal mit „nhäma yalala marrkap“ zu verabschieden. Es tröstet mich zu wissen, dass Gott weiterhin in Arnhemland bei „meinen Ladies“ bleibt und Er auch meinen/unseren Weg haargenau kennt.